Hier die Rezension aus der Frankfurter Neue Presse noch mal in reiner Textform..
Ein Wiegendlied berührt die Herzen
Der ostdeutsche Tenor Björn Casapietra ist ein großer Entertainer. In der Frankfurter Dreikönigskirche gab er einen hinreißenden Abend.
Ob ein keltisches Gebet den Herrn stärker anspricht als ein anderes, mag dahingestellt sein, aber gesungen wirkt es inbrünstig, ja sogar mystisch. «Celtic Prayer» nennt der Star-Tenor sein jüngstes, fünftes, Studioalbum, das in Frankfurt aufgenommen und produziert wurde.
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Bewegt sich der Künstler auf der Platte nach dem Vorbild des Briten Paul Potts zwischen den Polen E- und U-Musik, so konzentriert sich der 1970 geborene Casapietra konzertant ganz auf klassischen Gesang. Seine Stimme atmet und hat Volumen, seine Phrasierungen bestehen neben denen eines Opernsängers des ernsten Fachs. Egal, ob der blendend aussehende Björn Herbert Fritz Roberto Casapietra ein Lied wie Leonard Cohens «Hallelujah» oder das keltische Traditional «Down By The Sally Gardens» anstimmt: Er ist weit weg von modischem Crossover und singt diese Perlen unverfälscht und ohne unnötiges Pathos, verlässt sich bei der Interpretation auf die stilvolle Begleitung der Schweizer Konzertpianistin Sibylle Briner. Das alles ist unprätentiös, schlicht und doch große Unterhaltung, weil der Künstler auch ein begnadeter Entertainer ist, der zu jedem Lied eine schöne Geschichte zu erzählen oder ein Bonmot beizutragen hat.
Zu vorgerückter Stunde singt er zu geschmackvoller Illuminierung alte keltische oder walisische Volkslieder wie «My Little Welsh Home» oder «The Water Is Wide» mit ausladendem Gestus. Wenn der stolze Vater mit «Stellas Song» dann ein Wiegenlied für seine kleine Tochter anstimmt, hat das etwas anrührend Privates. Besonders intensiv gerät «You Raise Me Up», in dem er die Kraft der persönlichen Berührung besingt. Mit Emphase bietet Casapietra es dar und erreicht damit die Herzen der Zuhörer. Gut zwei Stunden lang begeisterten Stimme und Klavier im gut besuchten Gotteshaus. jsc jsc