Kritik des Konzertes in der Dresdner Lukaskirche. Erschienen in der heutigen Ausgabe der Sächsischen Zeitung.
Freundlich, sanft und richtig stark
Von Peter Zacher
Der italienische Tenor mit deutschen Wurzeln Björn Casapietra singt keltische Gebete so, dass in Dresden die Lukaskirche kocht.
Der jüngste Coup von Björn Casapietra ist seine CD „Celtic Prayer – keltische Gebete“. Sie stürmt die Charts, und der Sänger ist damit auf Erfolgstour. Am Dienstag gastierte er in der Dresdner Lukaskirche – für ihn ein besonderer Ort. Hier hatte sein Vater, der Philharmonie-Dirigent Herbert Kegel, viele Plattenproduktionen eingespielt. Es darf vermutet werden, dass Kegel mit der Entwicklung seines jüngsten Sohns einverstanden gewesen wäre. Obwohl das, was „Celtic Prayer“ ausmacht, gern mit dem Etikett der Unterhaltungsmusik versehen wird, ist es kaum weniger seriös als die Musik, für die der väterliche Dirigent stand.
Starke Platte live einfach & gut
Wer die neue CD kannte, war möglicherweise skeptisch, denn was auf der Platte mit abwechslungsreicher Instrumentierung und elektronischen Mitteln möglich ist, muss nicht gleichwertig funktionieren, wenn nur ein Klavier begleitet. Viele andere Sänger würden das nicht wagen. Casapietra kann es: Seine Stimme besitzt baritonal warmes Timbre und in der Höhe tenoralen Glanz. Und er vermag in den Liedern und der Moderation eine Atmosphäre freundlicher Sanftheit zu erzeugen.
Mit dem Publikum im Kokon
Besonders wenn er von seiner kleinen Tochter erzählt, scheint es, als spänne er sich und seine Zuhörer in einen Kokon ein. Natürlich fehlten auch Italohits von der Art „O sole mio“ oder „Granada“ nicht, was man einem italienischen Tenor mit deutschen Wurzeln durchaus zugestehen sollte. Dass am Ende die Stimmung zu einer sächsischen Variante der London Proms geriet und die Kirche zum Kochen brachte, spricht für sich.
Die Schweizer Pianistin Sibylle Briner war wesentlich daran beteiligt, diese Musik als Beispiel moderner Klavierlieder zu verstehen. Die braucht den Vergleich mit den klassischen Vorbildern nicht zu scheuen, vorausgesetzt, sie wird so gut dargeboten, wie es Björn Casapietra kann.