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Tinùviel  
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Dienstag, 28. September 2010 17:26  Kommentar schreiben
Nimrodel



Einst lebte eine Elbenmaid

So wie der Morgen hold;

Ihr Kleid, ihr Schuh war ein Geschmeid

Aus Silberglanz und Gold.



Auf ihrer Stirne stand ein Stern,

Im Haare spielte Licht

Wie auf den Hügeln Lóriens fern

Die Sonne heller nicht.



Ihr Haar fiel reich, und gliederweiß,

Und schön war sie und frei

Und bog sich wie ein junges Reis

Im Wind so sanft dabei.



Am Wasserfall von Nimrodel,

Der klar und kühl versprüht,

Fiel sie mit ein wie Silber hell

Ins helle Wasserlied.



Heut aber kennt sie keiner mehr

Noch ihren Aufenthalt;

Sie fand nicht Weg noch Wiederkehr

Aus Wildnis, Berg und Wald.



Das Elbenschiff im Hafen lag,

Am Berge sturmgeschützt,

Und harrt ihrer Tag um Tag -

die See ging weißbemützt.



Ein Sturm kam auf von Norden her

Zur Nacht mit Urgewalt

Und trieb das Schiff hinaus aufs Meer

Ins Dunkel ungestalt.



Der Stran, der Berg verschwamm im Dunst,

Vertrübt und ungenau,

Die Wogen türmten sich in Brunst

Und rollten schwer und grau.



Noch schärfte Amroth seinen Blick,

Noch suchte er die Stell

Das Schiff verfluchend - nicht zurück

Trug's ihn zu Nimrodel.



Er selber herrschte einst im Wald,

Ein König von Geblüt,

Als Lóriens Macht noch golden galt

Und elbisch sang das Lied.



Nun schoss er wie ein schlanker Pfeil

Ins Wasser tief hinab

Und tauchte möwengleich und heil

Hervor aus nassem Grab.



Der Wind zerwühlte im das Haar,

Weiß flog der Schaum um ihn,

Dann sah man ihn wie einen Schwan

Die Wogen reitend ziehn.



Doch drang kein Wort von Westen her

In unser Elbenland,

Und keiner hörte jemals mehr

Von Amroth, der entschwand.
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